Familienstand im Lebenslauf: Verheiratet, Kinder oder ledig?

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Ganz oben im Lebenslauf geht es um deine persönlichen Details. Dazu zählen dein Name und deine Adresse, Telefonnummer(n), eine E-Mail-Adresse, dein Geburtsdatum – und der Familienstand? Das hängt von deinen Vorlieben ab. Bevor du dich für eine Variante entscheidest, solltest du wissen, welche Vor- und Nachteile damit jeweils verbunden sein können.

Muss der Familienstand im Lebenslauf angegeben werden?

Es ist deine Entscheidung, ob du im Lebenslauf Angaben zu deinem Familienstand machst oder ob du diese Angabe weglässt. Eine Pflicht hierzu gibt es nicht. Die Angabe des Familienstands war lange Zeit üblich, was dazu geführt hat, dass viele Bewerber sie auch heute noch in den Lebenslauf aufnehmen – oft jedoch, ohne an mögliche Konsequenzen zu denken.

Für dich mag die Angabe des Familienstands im Lebenslauf zweitrangig sein. Für einen möglichen künftigen Arbeitgeber hat sie jedoch eine größere Aussagekraft als du vielleicht meinst. Deshalb ist es sinnvoll, vorher zu überlegen, ob diese Information dir womöglich zum Nachteil gereichen könnte – oder ob es umgekehrt sogar vorteilhaft sein kann, die Angabe in den Lebenslauf aufzunehmen. Was sinnvoll ist, hängt von deinen persönlichen Umständen, deinem Alter und der Stelle ab.

Familienstand im Lebenslauf: verheiratet

Ein verheirateter Bewerber gilt vielen Personalverantwortlichen als möglicher Langzeit-Mitarbeiter. Wer verheiratet ist, neigt eher nicht dazu, von heute auf morgen alle Zelte abzureißen und für einen spannenderen Job in eine andere Stadt zu ziehen. Der Partner muss schließlich auch in die Planung einbezogen werden und hat womöglich seinerseits einen Job, an dem er hängt. Auch Kinder verringern die Wahrscheinlichkeit, dass der neue Mitarbeiter nach kurzer Zeit wieder kündigt – theoretisch zumindest.

Außerdem können dir im Fall einer Ehe bestimmte Werte unterstellt werden. Du giltst womöglich als loyal, treu und verantwortungsbewusst. Das ist förderlich für deine Chancen auf den Job, denn diese Eigenschaften sind auch im beruflichen Umfeld positiv.

Ob der Familienstand verheiratet im Lebenslauf eher positiv oder negativ aufgefasst wird, hängt auch mit deinem Geschlecht zusammen. Als verheiratete Frau um die 30 siehst du dich wahrscheinlich mit vielen – meist unausgesprochenen – Vorurteilen konfrontiert. Viele Firmen sind vorsichtig damit, Bewerberinnen in diesem Alter einzustellen – aus Angst, sie könnten kurz darauf schwanger werden. Dann müsste der Arbeitgeber Ersatz für sie finden. Erlaubt ist diese Diskriminierung nach den Bestimmungen des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) nicht, was aber nichts daran ändert, dass sie in der Praxis häufig vorkommt.

Lebenslauf: Familienstand ledig

Wenn du nicht verheiratet bist, giltst du als ledig. Es ist nicht üblich, anzugeben, dass du einen Partner hast – nur die Unterscheidung zwischen ledig und verheiratet ist im Lebenslauf wichtig. Auch diese Angabe bietet Raum für Spekulationen. Einerseits sinkt aus Sicht des Personalverantwortlichen die Wahrscheinlichkeit, dass du als Frau bald schwanger wirst oder Kinder hast. Das würde bedeuten, dass du flexibler bist und es dich weniger stört, wenn Überstunden an der Tagesordnung sind.

Auch eine weniger förderliche Interpretation ist jedoch denkbar. Der Entscheidungsträger könnte dir unterstellen, dass du weniger bindungsfähig und kompromissbereit bist. Wer ledig ist, so ein mögliches Vorurteil, eckt womöglich eher an und ist in erster Linie auf den eigenen Vorteil aus. Besonders, wenn du schon etwas älter bist, können dir solche Eigenschaften unterstellt werden.

Ein lediger Bewerber hat aus Sicht von Personalern zwar den Vorteil, dass er tendenziell flexibler ist. Das kann sich jedoch auch ins Negative verkehren, denn die (vermeintliche) Ungebundenheit kann auch dazu führen, dass solche Bewerber wieder weg sind, wenn sie etwas Besseres gefunden haben.

Familienstand im Lebenslauf: verheiratet mit Kind

Wenn ein Personaler in einem Lebenslauf liest, dass der Bewerber verheiratet ist, stellt er sich unweigerlich die Frage, ob du auch Kinder hast. Macht es also Sinn, diese Information vorwegzunehmen? Auch bei Kindern gilt: du musst darüber im Lebenslauf keine Angaben machen. Oft ist es auch wenig förderlich. Am ehesten punkten kannst du mit der Angabe von älteren Kindern, die schon relativ selbstständig sind. Das gilt besonders, wenn du als Frau noch relativ jung bist und man dir sonst unterstellen könnte, dass du bald dein erstes Kind bekommen möchtest.

Die Angabe von jüngeren Kindern ist nur bedingt sinnvoll. Auch hiermit suggerierst du zwar, dass ein baldiger Mutterschutz plus Elternzeit weniger wahrscheinlich sind. Andererseits erweckst du damit auch das Bild, dass du privat voll eingespannt bist. Du giltst womöglich als unflexibel und als jemand, der immer pünktlich gehen muss. Und wenn deine Kinder mal krank sind, fällst du im Job aus. Wie die Betreuung deiner Kinder tatsächlich geregelt ist, geht aus dem Lebenslauf schließlich nicht hervor.

Familienstand: Kind, nicht verheiratet

Besonders vorsichtig solltest du sein, wenn du – jedenfalls auf dem Papier – ledig bist, aber Kinder hast. Der mögliche Arbeitgeber glaubt dann wahrscheinlich, dass du alleinerziehend bist – und unterstellt womöglich, dass du nicht flexibel bist und Überstunden nicht drin sind. Das ist keine gute Ausgangssituation für eine erfolgreiche Bewerbung. Deshalb ist es in den meisten Fällen keine gute Idee, als Familienstand „ledig, Kind“ anzugeben.

Den Familienstand im Lebenslauf nennen: ja oder nein?

Ob es eher vorteilhaft oder eher nachteilig ist, deinen Familienstand und/oder deine Kinder im Lebenslauf zu nennen, hängt von deiner spezifischen Situation ab. Du kannst deshalb am besten einschätzen, welche Option die bessere ist. Die folgenden Aspekte solltest du dabei bedenken.

Pro: Deshalb solltest du deinen Familienstand nennen

Du hast nichts zu verbergen – das machst du deutlich, indem du im Lebenslauf „verheiratet“, „ledig“ oder „verwitwet“ bei deinem Familienstand angibst. Diese Offenheit kann dir positiv ausgelegt werden. Positive Rückschlüsse kann ein Personaler auch aus deinen spezifischen Angaben ziehen – nämlich dann, wenn aus deiner und hoffentlich auch aus seiner Sicht die positiven Aspekte deines jeweiligen Familienstands überwiegen.

Contra: Deshalb solltest du auf die Angabe deines Familienstands verzichten

Die Angabe des Familienstands im Lebenslauf ist heikel. Du weißt nie, wie sie von einem möglichen Arbeitgeber interpretiert wird. Das spricht dafür, die Angabe wegzulassen. Notwendig ist sie schließlich ohnehin nicht. Womöglich zieht der Arbeitgeber daraus Schlüsse, die nicht zutreffend sind. Du kannst dir mit der Angabe des Familienstands im schlimmsten Fall selbst Steine in den Weg legen – und das ohne guten Grund.